Narkolepsie – Der Mythos Schlafsucht

Süchtig nach Schlaf – geht das? Narkolepsie gehört zu den neurologischen Funktionsstörungen und führt zu extremer Tagesmüdigkeit, plötzlichen Schlafanfällen oder ungewollten Muskelerschlaffungen. Erfahre hier, was genau hinter der „Schlafkrankheit“ steckt und wie es dazu kommen kann, dass wir urplötzlich ermüden und unkontrolliert einschlafen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Narkolepsie?
  2. Typische Symptome einer Narkolepsie
    1. Ausgeprägte Tagesmüdigkeit
    2. Plötzliches Einschlafen / Schlafattacken
    3. Kataplektische Anfälle / Unkontrollierbare Muskelentspannung
    4. Gestörter Nachtschlaf
    5. Weitere Symptome
  3. Ursachen und Auslöser der Schlafkrankheit
  4. Das können Betroffene tun
  5. Süchtig nach Schlaf?

 

Wir alle kennen das Gefühl, wenn uns die Müdigkeit überkommt und wir schneller einschlafen, als uns lieb ist. Wer unter Narkolepsie leidet, ist aber nicht nur manchmal, sondern eigentlich immer müde. Ca. 40.000 Menschen in Deutschland leiden unter der auch als „Schlafkrankheit“ oder „Schlafsucht“ bezeichneten Narkolepsie und müssen Tag für Tag mit starker Müdigkeit, Schlafanfällen und Muskelreflexen leben. Dass die Schlafkrankheit dabei nicht nur den Alltag erschwert und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt, sondern auch zu gefährlichen Unfällen führen kann, gerät oft in Vergessenheit. Aber was genau steckt nun hinter dem Mythos Narkolepsie und wie entsteht die ungewöhnliche Sucht nach dem Schlaf?

Was ist Narkolepsie?

Bei Narkolepsie handelt es sich um eine neurologische Funktionsstörung der Hirnbereiche, die unseren Schlaf und das Wachsein steuern. Sie wirft unser Schlaf-Wach-Verhalten aus der Bahn und äußert sich unter anderem durch eine extreme Schläfrigkeit oder unkontrollierbare Schlafanfälle am Tag, sodass Betroffene auch in ungewöhnlichen Situationen plötzlich ermüden und einschlafen. Diese Tagesnickerchen dauern in der Regel nur ca. 5 bis zu 30 Minuten an, aber auch kurzzeitiges Muskelversagen, Schlaflähmungen und ein gestörter Nachtschlaf zählen zu den klassischen Symptomen der Narkolepsie.

Die „Schlafsucht“ ist zwar nicht lebensbedrohlich, beeinträchtigt den Alltag und die Lebensqualität der Erkrankten aber sehr stark und ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft auch nicht heilbar. Die Beschwerden können bereits im Kindesalter auftreten und sich auch im Laufe der Jahre verändern. Während die meisten von uns also eher an einem Schlafmangel leiden, müssen an Narkolepsie erkrankte Personen tagtäglich dagegen ankämpfen, dem Schlafdrang zu widerstehen.

Typische Symptome der Narkolepsie

Tagesmüdigkeit: Junge Frau gähnt müde während der Arbeit

Ausgeprägte Tagesmüdigkeit

Das am häufigsten vorkommende Symptom der Schlafkrankheit ist die exzessive und nur schwer zu kontrollierende Tagesmüdigkeit, die jedoch nicht auf einen Schlafmangel oder schlechten Nachtschlaf zurückzuführen ist. Denn obwohl Menschen mit Narkolepsie morgens ausgeruht erwachen, werden sie in der Regel bereits nach wenigen Stunden wieder müde und können bereits kurze Zeit nach dem Aufwachen erneut einschlafen.

Plötzliches Einschlafen / Schlafattacken

Aufgrund der extremen Müdigkeitsphasen passiert es, dass Betroffene dem Schlafdruck nicht mehr widerstehen können und immer wieder oder auch ganz plötzlich einschlafen. Diese Schlafanfälle treten besonders in eher eintönigen Situationen wie Lesen, Fernsehen oder als Beifahrer im Auto auf, können aber auch während eigentlich aktiver, komplexerer Tätigkeiten wie Essen, Schreiben oder Sprechen eintreffen. Das birgt ein hohes Unfallrisiko und stellt eine Gefahr für die Betroffenen oder beispielsweise andere Verkehrsteilnehmer dar. Wer unter der Schlafkrankheit leidet, muss daher auch bei vermeintlich harmlosen, alltäglichen Tätigkeiten mit Einschränkungen rechnen und Gefahren im Alltag vorbeugen.

Kataplektische Anfälle / Plötzliche Muskelentspannung

Als Kataplexie wird die unkontrollierte Erschlaffung der Körpermuskulatur bezeichnet, die durch das Empfinden starker Emotionen wie Wut, Angst, Freude oder Lachen ausgelöst wird. Je nach Intensität verlieren Betroffene die Kontrolle über einzelne oder mehrere Muskeln einer Körperpartie, etwa die Gesichts- oder Beinmuskulatur. Dieses plötzliche Muskelversagen dauert meist nur einige Sekunden an und ist an sich nicht gefährlich, kann aber unter Umständen zu Stürzen oder kleineren Unfällen führen.

Gestörter Nachtschlaf

Die Störung der Schlaf-Wach-Regulierung im Gehirn beeinträchtigt auch den Schlaf in der Nacht und führt zu einem grundsätzlich leichteren Schlaf und häufigem Erwachen. Personen mit Narkolepsie schlafen zwar oft schnell ein, reagieren aber empfindlicher auf Weckreize und können nur schwer durchschlafen. So wird der Nachtschlaf grundsätzlich weniger erholsam und die ohnehin starke Müdigkeit am Tag nimmt zu.

Weitere Symptome

Als weitere Beschwerden der Narkolepsie gelten zudem Schlaflähmungen, schlafbedingte Halluzinationen und automatisierte Verhaltensweisen.

Ursachen und Auslöser einer Narkolepsie

Erst vor wenigen Jahren konnten Forscher eine Ursache für die Entstehung der mysteriösen Schlafkrankheit finden. Als neurologische Funktionsstörung liegt der Ursprung grundsätzlich in einer organischen, also nicht psychischen Beeinträchtigung der Hirnfunktion. Der Hypothalamus ist eine wichtige Schaltzentrale im Gehirn und besonders relevant für die Koordination und Steuerung unseres Nervensystems. Hier wird unter Anderem der Botenstoff Hypocretin (auch „Orexin“ genannt) produziert, der gemeinsam mit anderen bekannten Hormonen, zum Beispiel Melatonin, eine wichtige Rolle in der Erhaltung und Regulierung unserer Schlaf-Wach-Verhalten spielt.

Hirnaktivität bei Narkolepsie im Schlaf: Der Hypothalamus

Bei Narkolepsie-Patienten werden den aktuellen Erkenntnissen nach genau diejenigen Zellen beeinträchtigt oder zerstört, die Hypocretin produzieren. Ohne das Hormon kann keine geregelte Koordination unserer Schlaf- und Wachzustände erfolgen und der Schlaf-Wach-Rhythmus sowie die Steuerung der Schlafphasen und des REM- oder Non-REM-Schlafs geraten durcheinander. Dass Hypocretin zudem das Belohnungs-, Emotions- und Ernährungsverhalten beeinflusst, könnte einer der Gründe für die emotionsgeleiteten Kataplexien sein.

Das können Betroffene tun

Narkolepsie ist grundsätzlich nicht heilbar, aber auch nicht lebensbedrohlich. Eine medikamentöse Therapie ist zwar möglich, doch schlussendlich müssen Betroffene lernen, mit der täglichen Müdigkeit und den Schlafattacken zu leben. Stress, emotional bewegende Momente und ein unregelmäßiger Tagesrhythmus sollten vermieden werden. Die Beachtung einiger Verhaltensregeln im Alltag hat sich bewährt, um besonders das Auftreten von Muskelerschlaffungen und plötzlichen Schlafanfällen zu vermeiden. Dazu zählen etwa ein geregelter Tagesrhythmus mit regelmäßigen Ruhe- bzw. Schlafpausen am Tag oder der Verzicht auf anregende Stoffe wie Koffein, Alkohol oder Nikotin, um einerseits kein schnelles Einschlafen zu begünstigen, andererseits aber den Schlaf selbst zu fördern. Denn trotz vieler kurzer Schlafpausen am Tag ist es auch für Menschen mit Narkolepsie essentiell, ausreichend lange und auch erholsam zu schlafen, um langfristig gesund und leistungsfähig zu sein.

Süchtig nach Schlaf?

Hinter einem erhöhten Schlafbedürfnis oder anhaltender Tagesmüdigkeit können verschiedenste Gründe stecken. Während Schlafstörungen, Schlaf- und Bewegungsmangel oder falsche Ernährungsweisen eher harmlos sind, ist die „Schlafkrankheit“ Narkolepsie eine ernst zu nehmende Erkrankung und macht deutlich, welche Bedeutung die Qualität unseres Schlafs tatsächlich für unsere Gesundheit, unseren Alltag und das gesamte Leben hat. Denn weniger ist manchmal doch mehr und weniger, aber guter Schlaf meist erholsamer, als wir vermuten.

Fazit

  • Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, deren Ursache in der durch eine Funktionsstörung im Hirn verminderte Produktion des Hormons Hypokretin liegt.
  • Häufige Symptome einer Narkolepsie sind extreme Tagesmüdigkeit, plötzliches Einschlafen und unkontrollierbare Muskelerschlaffungen (Kataplexien) sowie Schlafstörungen.
  • Die „Schlafkrankheit“ ist nicht heilbar, kann aber mithilfe von Medikamenten und Verhaltensanpassungen der Betroffenen im Alltag therapiert werden.

 

Liebe Grüße und bis bald!

 

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